Zugegebenermaßen bin ich selbst ein kleiner Flash-Gegner. Ich habe mich mal einige Wochen lang in Flash und ActionScript eingearbeitet, und habe aufgrund der (meiner Meinung nach) vergurkten API dann die Demoversion deinstalliert und gebookmarkte Tutorials gelöscht. Schon immer habe ich von den Cufon-Schriftarten, die auf Flash basieren und in Mode waren, Abstand genommen. Gott sei dank lässt sich die Schrifteinbundung mittlerweile problemlos mit dem CSS3-Modul @font-face realisieren.
Dieser Beitrag steht daher nicht unter unparteiischer Flagge. Ich hoffe trotzdem, einige Flash-Enthusiasten (und solche, die es werden wollen) auf den richtigen Weg bringen zu können: Verhindert bitte den übermaßigen Einsatz von Flash-Anwendungen im Internet.
Flash darf nicht als zentrales Webseitenelement mißbraucht werden
Eine ansehnliche, schick animierte Flashanwendung zu entwickeln ist sicherlich nicht einfach – ein Webdesigner aber hat primär gesehen andere Aufgaben. Ich denke mal, da stimmt mir jeder zu. Schon einmal in Flash versucht, ein Blog zu realisieren? oder ein komplexes Shopsystem? Ich richte mich daher hauptsächlich an die Flash-Designer, die mit ihrem Wissen eine ganze Internetseite zu realisieren glauben.
Flash ist sicherlich eine nette Erfindung. Es hat aber auch durchaus seine Nachteile. Es wäre jetzt falsch von mir, mit dem Argument anzufangen, dass nicht jeder Client Flash darstellen kann. Aus eigenen Erfahrungen und Nachforschungen kann ich sagen, dass die Unterstützung für Flash nur unwesentlich geringer ist als die für Javascript – beide dürften etwa über der neunzig-Prozent-Marke liegen. Anders sieht die Sache dann aber bei der Suchmaschinenoptimierung (SEO) aus – hier gerät Flash aufgrund der “Nicht-Lesbarkeit” klar ins Hintertreffen.
Webseiten bestehen aus einer Markup-Struktur, nicht aus einem anklickbaren Filmchen
Flash darf nicht überdosiert werden – als kleines Helferlein ok, aber für essentielle Elemente sollten immer native Webseiten-Gestaltungselemente nutzen – dazu gehört HTML, CSS und ein bisschen JavaScript. Flash erfreut sich dennoch großer Beliebtheit – manchmal berechtigt, manchmal allerdings völlig fehl am Platz:
Wo kein Weg an Flash vorbeiführt
- Online-Spiele: Diese Anwendungen sind selbst mit feinstem jQuery nicht möglich. Ergo: Nur mit Hilfe von Flash zu realisieren
Wo der Flash-Einsatz gerechtfertigt ist
- Aufwendige Animationen, wie das komplette Rotieren einer Seite, schnelle Bildwechsel und grafische Effekte, die über einfache FadeIn / FadeOut-Effekte hinausgehen.
- Einzubindene Videos, wie sie etwa auf Youtube zu finden sind: Trotz aller HTML5-Bemühungen erreicht man immer noch die breiteste Benutzergruppe mit Flash.
Wofür man Flash nicht braucht
Ich behaupte ganz dreist: Neun von Zehn Flash-Objekte im Internet hätte man (mehr oder weniger) problemlos mit JavaScript lösen können. Eine professionelle Realisierung mit JavaScript hat den Vorteil, dass auch Suchmaschinen den Inhalt lesen können. Folgende Flash-Einsätze lassen sich durch andere Techniken ersetzen:
- Eigene Fonts mit Cufon einbinden – das ist nicht nur ressourcenfressender, sondern kann mit @font-face viel eleganter gelöst werden.
- Slideshows: Diese können nicht nur SEO-freundlicher, sondern auch deutlich ressourcenschonender mit jedem gängigen JavaScript-Framework realisiert werden.
Wofür man definitiv kein Flash benutzen sollte
Für komplette Webseiten. Es ist ein absolutes No-Go, eine komplette Webseite in Flash zu gestalten. Wenn Webdesigner (oder auch gerne dabei: “Gestalter für Neue Medien”) ihre Webseite komplett in Flash programmiert haben, muss ich davon ausgehen dass sie keine Ahnung von semantischem HTML, CSS und ein wenig JavaScript-Zauberei (mit jQuery & Co ja kein Problem) haben.
Denn sonst würden sie dieses wertvolle(re) Wissen auf ihrer digitalen Visitenkarte präsentieren. Als (potenzieller) Kunde sehe ich aber nur, dass diese “Profis” sich mit Flash auskennen – ob sie auch die wesentlichen Dinge vom Webdesign beherrschen, weiss ich nicht. Dazu gehört ausführliches Wissen über striktes XHTML / HTML5, CSS 2, CSS 3 und deren Browserunterstützung, serverseitige Skriptsprachen wie PHP (am besten objektorientiert) mit Framework-Wissen, JavaScript als UI-Erweiterung (Stichwort progressive enhancement) und Kenntnisse über eine Datenbanken-Anbindung, am besten via PDO bzw. ORM.
Fakt ist: Flash-Webseiten sind sicherlich immer schön anzusehen – ein unbedarfter Besucher ist schnell hin und weg von den flotten Animationen. Jemand, der Flash beherrscht, muss aber von den oben genannten fünf Punkten nicht zwangsläufig Ahnung haben (Um fair zu bleiben: Ein Webdesigner, der sich ausschließlich mit einem WordPress-Blog präsentiert, auch nicht).
“Flash-Only”-Webdesigner versprechen todschicke, interaktive Webseiten – über die Nachteile dieser Technik bleibt der Endkunde meist uninformiert. Dass die Entwickler der Seite möglicherweise noch nie etwas von kaskadierenen Stylesheets, Markup und Suchmaschinenoptimierung gehört hat, weiss er nicht – und genau hier ist mein Problem. Flash-Designer offerieren tolle Webseiten für das Internet – und stellen professionelle, reguläre Webdesigner in den Schatten.
Zum Glück ist es in mittelfristiger Zukunft auch möglich, uns an die Vorteile von Flash ranzutasten – mit gewöhnlichem Markup. Erste, kleine Schritte wurden mit CSS3 Transistions schon gemacht, auch HTML5 wird uns helfen, einige (bisher oft genutze) Einsatzelemente von Flash obsolet zu machen – zum Beispiel die Videoeinbindung.
Schlusswort
Um den Ärger der Flash-Profis zu unterbinden: Ich möchte hier nicht alle Flashentwickler unter einen Teppich kehren – einige dosieren ihr Wissen sicherlich gut bedacht mit den regulären Methoden vom Webdesign. Pure Interaktivität lässt sich einfach lösen, wenn Flash benutzt wird. In den meisten Fällen allerdings gehe ich fest davon aus, dass hier oft mehr eingesetzt wird als notwendig.



Der Autor lebt in eine sehr kleinen webdesignwelt, – webdesign ist nicht nur html + php. Nur weil der Autor Flash + Actionscript nicht auf die Reihe bekommen hat (man lernt es nicht mit paar tutorials) ist das kein Grund die Technik schlecht zu reden und eine Reihe von Behauptungen aufzulisten.
Wenn der Autor sich ernsthaft mit Flash auseinander gesetzt hätte wäre das Posting hier ganz anders ausgefallen, so zeigt sich nur seine Inkompetenz.
“Cufon-Schriftarten, die auf Flash basieren und in Mode waren”
Kleine syntaktische Richtigstellung: Cufon ist ein JS-Alternative zum Font-Replacement auf Basis von Flash wie z.B. sIFR. Und damit hervorragend geeignet für Menschen die Flash nicht mögen. ;) Übringens mit klaren visuellen Vorteilen gegenüber @font-face.
Die ganzen Animations-Effekte die z.B. JQuery nutzt, und die HTML + JS-Sites wie Flash anmuten lassen, stammen ursprünglich aus dem Kopf von erfahrenen Flash-Entwicklern wie Robert Penner ua.
D.h. konkret, ohne das vorher all diese Effekte immer wieder im Netz durch Flash sichtbar gewesen wären, hätte die Entwicklung eines so umfangreichen Frameworks wie JQuery zu Gunsten animierter Userinterfaces sicherlich noch länger auf sich warten lassen.
Also lieber Autor dieses Artikels, eine bisschen differenziertere Darstellung dieses Themas tut Not und wäre wünschenswert gewesen!
Schulnote: 5+ setzen! *lacht*
Gruß eines ehemaligen Flash-Entwicklers der nun auf alle Pferde setzt
This is not sexy: PHP-Template-Engines á la Smarty « SHIFT Website Development Weblog
Sehr interessant zu lesen! Ich überlege, auf unserer Seite auch mehr flash zum Einsatz zu bringen, aber das wird sich, nach dem, was ich hier so lese, wohl erübrigen… Danke für die informativen Beiträge!